








Der historische Leipziger Hauptbahnhof entstand nach den Plänen der Architekten Lossow und Kühne aus einem 1906 ausgeschriebenen Wettbewerb als »Personenbahnhof mit Kopfstation«. 1915 bei seiner Einweihung war er der größte Kopfbahnhof Europas. Über die Funktion als Verkehrsknotenpunkt hinaus entwickelte er sich schnell vom reinen Nutz- zum Repräsentationsbau. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau 1965 verlor er aufgrund des zunehmenden Individualverkehrs jedoch an Bedeutung.
Die Nutzung der Bahn sowie die Anforderungen an Bahnhöfe haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Bahnhofsarchitektur muss sich heute sowohl in Funktion, Vielfalt und Komfort als auch im Design an hochwertigen Fußgängerzonen messen lassen. So entstand die Absicht, den Hauptbahnhof Leipzig wieder zu einem Mittelpunkt des städtischen Lebens zu machen. Bei dem Architekturwettbewerb zur Umgestaltung des Bahnhofs im Jahr 1994 erhielt HPP den 1. Preis und wurde unmittelbar danach mit der Realisierung beauftragt.
Der größte Kopfbahnhof Europas wurde als Pilotprojekt umgebaut, mit der Vorgabe, dass das »Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum im Empfangsgebäude« aufzunehmen ist. Dabei musste sichergestellt werden, dass für die neue Nutzung das bedeutende, denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in seiner Struktur nicht verändert wird und trotzdem die funktionellen, konstruktiven und wirtschaftlichen Belange erfüllt werden. So wurde die Faszination der großen Querbahnsteighalle mit 270 Metern Länge erhalten. Der Entwurf beschränkte sich in der Umnutzung des Bahnhofs auf einen Eingriff in den Bestand: eine die historische Substanz respektierende linsenförmige Öffnung in der Querbahnsteighalle, die formal und funktional ein räumliches Verbindungselement schafft.