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The Cradle Düsseldorf

Statement für kreislauffähiges Bauen

Direkt am Wasser im Düsseldorfer Medienhafen gelegen entstand ein Projekt, das Nachhaltigkeit als Chance versteht. Das Gebäude agiert als Materiallager: mit dokumentierten, rückbaubaren und wiederverwertbaren Materialien. Das war im zeitlichen Kontext der Entwicklung ein noch weitgehend unbekannter Ansatz. In einem speziell kuratierten integralen Team wurden daher neue Fragestellungen und kreislauffähige Lösungsansätze entwickelt.  

Holz-Hybrid-Bürogebäude mit integraler Fassade  


Cradle-to-Cradle-Prinzip als Leitidee 


Pilotprojekt Madaster Germany: Als erstes Neubauprojekt in Deutschland auf der Madaster-Plattform registriert, einem globalen Online-Kataster für Materialien und Bauprodukte. 


In Zahlen: 56% verbesserte Materialgesundheit, 50% verbesserter CO₂-Fußabdruck, 90% Rezyklierbarkeit der Materialien. 2.150 m³ Holz aus nachhaltiger deutscher Forstwirtschaft. 


Auszeichnungen: DGNB Gold angestrebt & Preise wie der MIPIM/AR Future Project Award oder Iconic Award: Innovative Architecture  


Büro, Mobilitätshub, Gastronomie & öffentliche Nutzungen  

Als letzter freier Bauplatz am Wasser bildet The Cradle den Abschluss der Speditionstraße im Düsseldorfer Medienhafen. Die elliptische Grünfläche vor dem Gebäude schafft Aufenthaltsqualität und verbindet sich mit dem öffentlichen Raum. Die schwellenlose Fassade öffnet sich mit gastronomischem Angebot zum Hafenbecken und zur angrenzenden Promenade: eine einladende Geste, die Architektur, Erdgeschossnutzung und Stadt verbindet. 

Die rautenförmige integrale Holzfassade ist mehr als Gestaltung. Sie ist Tragwerk, Sonnenschutz, schafft Loggien und ist Ausdruck des Cradle-to-Cradle-Gedankens. Anhand von über 100 Modellen wurde sie parametrisch entwickelt, basierend auf Sonnenstand und Blickbeziehungen. Die V-förmigen Lärchenholzstützen sind daher unterschiedlich dimensioniert und ausgerichtet, wirken je nach Standpunkt offen oder geschlossen. Im Zusammenspiel mit den dreieckigen Prallscheiben erzeugen sie Rhythmus und Wandelbarkeit und machen die Fassade zum identitätsstiftenden Element, innen wie außen. 

The Cradle ist als nachhaltiger Holzhybridbau in Elementbauweise konzipiert. Bis auf die Untergeschosse, das Erdgeschoss und den zentralen Kern bestehen alle wesentlichen Bauteile aus Holz. Die Obergeschosse wurden als vorgefertigte Module mit Steck- und Schraubverbindungen montiert, konstruiert nach dem Prinzip „Design for Disassembly“. Diese Bauweise ermöglicht eine spätere Demontage und Wiederverwendung der Elemente und bildet die Grundlage für das zirkuläre Gebäudekonzept. 

Die Umsetzung des Kreislaufgedankens zeigt sich in zahlreichen konstruktiven Entscheidungen: Für die Knotenpunkte zwischen Fassadenstützen und Randträgern wurden spezielle Verbindungsstücke entwickelt, die eine zerstörungsfreie Demontage ermöglichen. Die Geschossdecken bestehen aus sortenrein trennbaren Schichten. Sichtinstallationen, leicht zugängliche Versorgungsstränge und der bewusste Verzicht auf Bekleidungen machen auch die technische Infrastruktur flexibel und anpassbar. Ergänzt wird das Konzept durch Green-Lease-Klauseln in den Mietverträgen und eine Rücknahmeverpflichtung des eingebrachten Holzes durch das Holzbauunternehmen.  

Im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips agiert The Cradle als dokumentiertes Rohstoffdepot. Ein digital verknüpfter Materialpass (Circularity Passport®) erfasst sämtliche Eigenschaften der verbauten Produkte, von Materialgesundheit über Rezyklierbarkeit bis zur Demontagefähigkeit. Über die Plattform Madaster wurde das Gebäude als erstes deutsches Neubauprojekt monetarisiert. Die Materialien sind zu über 90 % recyclebar, die Materialgesundheit wurde im Vergleich zu konventionellen Gebäuden um 56 %, der CO₂-Fußabdruck um 50 % verbessert.  

Im Inneren sorgen sichtbare Holzoberflächen, Lehmwände und begrünte Flächen für ein gesundes Raumklima. CO₂-Monitoring, Aktivkohlefilter und schadstofffreie Materialien stellen das Wohlbefinden in den Fokus. Die flexibel teilbaren Büroeinheiten und der modulare Ausbau ermöglichen individuelle Nutzungskonzepte, heute und morgen. 

Im Erdgeschoss befinden sich Gastronomie, Veranstaltungsfläche und ein Mobilitätshub mit E-Car- und E-Bike-Sharing. Begrünte Dachterrassen, Nistkästen und Insektenhotels fördern die Biodiversität. Das Gebäude wird so zum aktiven Teil des Quartiers: offen, nachhaltig und zukunftsfähig. 

Projekt
The Cradle
Ort
Düsseldorf
Auftraggeber
The Cradle GmbH & Co. KG
BGF
11.400 m²
Größe
1.200 m²
Leistungen
Architektur
Fertigstellung
2023
Nutzung
 Büro, Co-Working, Gastronomie, Mobility Hub
Auszeichnungen
 MIPIM/The Architectural Review Future Project Award 2018, ICONIC AWARD: Innovative Architecture 2018, Sonderpreis BIM Heinze ArchitektenAWARD 2020
Zertifizierungen
DGNB Gold angestrebt